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Nachrichtengewinnung & Aufklärung: Die Sicherstellung der uneingeschränkten Aufklärungsfähigkeit PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Stefan Nitschke   
Dienstag, den 30. Juni 2009 um 00:00 Uhr

Mock-up der neuen hochfliegenden Aufklärungsplattform TALARION in  Le Bourget am 16. Juni 2009 (Quelle: Rüdiger Hulin)
Mock-up der neuen hochfliegenden Aufklärungsplattform TALARION in Le Bourget am 16. Juni 2009 (Quelle: Rüdiger Hulin)
In Zeiten wachsender asymmetrischer Bedrohungen und nicht leicht erkennbarer Gefahrenlagen erhalten Maßnahmen der Informationsgewinnung und Aufklärung besondere Bedeutung.

Noch bis zum Ende des Kalten Krieges war eine Bedrohung durch gegnerische Streitkräfte zumeist klar erkennbar, jedoch erfordern die heutigen Risiken, welche zunehmend globaler Natur sind und die es von Deutschland und seinen Nachbarn innerhalb der Europäischen Union und der NATO fernzuhalten gilt, eine Neubewertung der Aufklärungsfähigkeiten. Die Fähigkeitskategorie Nachrichtengewinnung & Aufklärung (NG&A) macht daher als Voraussetzung für eine gemeinsame Risiko- und Bedrohungsanalyse die Einbindung von neuartigen unbemannten Aufklärungsmitteln erforderlich. Viele der in den zurückliegenden Jahren für streitkräftegemeinsame und multinationale Einsatzaufgaben angedachten Aufklärungssysteme werden künftig durch eine systematische Verklammerung mit den Vorhaben von Partnernationen obsolete und kostenintensive Systeme ersetzen, ohne dass dadurch weitere Fähigkeitslücken entstehen werden.
In den letzten Jahren haben aber auch Satellitensysteme als Sensorträger weiter an Bedeutung gewonnen. Seit kurzem nutzt die Bundeswehr im Rahmen des national betriebenen Vorhabens »Radarsatellitensystem hohe Auflösung SAR-Lupe« eine eigene nationale Kernfähigkeit zur raumgestützten Aufklärung (bestehend aus fünf Radarsatelliten), welche in ein europäisches Gesamtsystem eingebunden sein wird. Bislang hat in Europa lediglich Frankreich (neben Russland) nennenswerte Kapazitäten in der Satellitenaufklärung. Während Frankreich zusammen mit Italien und Spanien die Aufklärungssatellitensysteme HELIOS IA und IB betreibt, wird das in der Auflösung und Nachtsichtfähigkeit wesentlich verbesserte Nachfolgesystem HELIOS 2 gemeinsam mit dem allwetterfähigen Radar-Satellitensystem SAR-Lupe das Rückgrad der europäischen militärischen Aufklärung bilden. Voraussichtlich wird sich das deutsche Unternehmen OHB Technology AG bei der anstehenden Ausschreibung für das Nachfolgesystem SAR-Lupe 2 bewerben.

 

Gemeinsamer Fähigkeitszuwachs durch die neue Aufklärungsplattform TALARION

Die  Sensorausstattung des unbemannten Aufklärungssystems TALARION umfasst  einen elektro-optischen Sensor und  einen Miniatur-Radarsensor mit  synthetischer Apertur zur Gewinnung von hochaufgelösten  Bodenoberflächenbildern (Quelle: Rüdiger Hulin)
Die Sensorausstattung des unbemannten Aufklärungssystems TALARION umfasst einen elektro-optischen Sensor und einen Miniatur-Radarsensor mit synthetischer Apertur zur Gewinnung von hochaufgelösten Bodenoberflächenbildern (Quelle: Rüdiger Hulin)
Die Mittelausgaben für die Beschaffung von unbemannten Aufklärungssystemen – hier vor allem für den Bereich der Weitbereichsaufklärung durch hochfliegende UAS – sind im Vergleich zu Satellitensystemen allerdings eher marginal ausgeprägt. Bei der operativen Nutzung von strategischen UAS wird inzwischen ein zeitlicher Vorsprung der USA und Israels gegenüber der Europäer von zehn bis 15 Jahren genannt. Insofern werden die bislang eher isoliert betrachteten Teilstreitkräfte der Bundeswehr – Heer, Luftwaffe und Marine – künftig über eine Vielzahl neuer Mittel der unbemannten Aufklärung verfügen. Die Weiterentwicklung von streitkräftegemeinsamen Einsatzgrundsätzen und Verfahren wird im Ergebnis dazu führen, dass das im Bereich von NG&A eingesetzte Personal frühzeitig auf die wahrscheinlichen Anforderungen und die Einsatzrealität in einem streitkräftegemeinsamen Ansatz vorbereitet wird. Hierzu zählen sowohl die erwarteten Einsätze von Eingreifkräften, Spezialkräften und spezialisierten Kräften als auch von Kräften für Stabilisierungsoperationen, welche verbesserte Aufklärungsmittel erfordern, die über lange Zeiträume kontinuierlich aufklären können. Inzwischen befinden sich einige Vorhaben zur Einführung von hochfliegenden Plattformen in der Realisierungsvorbereitung wie SIGINT-EuroHawk oder das in diesem Monat in Le Bourget vorgestellte MALE UAS TALARION des europäischen Konzerns EADS. Gegenüber bemannten Systemen weisen solche technologisch fortschrittlichen Plattformen generelle operationelle Vorteile auf wie eine lange Verweildauer im Einsatzgebiet unter Bedrohung oder eine hohe Nutzlastkapazität.
Avionikausstattung, SatCom-Antenne, Nutzlastsektion,  Turbofan-Jetantrieb und weitere Komponenten für Aufklärung,  Kommunikation und Datenübertragung des MALE UAS TALARION (Quelle:  EADS  Defence & Security)
Avionikausstattung, SatCom-Antenne, Nutzlastsektion, Turbofan-Jetantrieb und weitere Komponenten für Aufklärung, Kommunikation und Datenübertragung des MALE UAS TALARION (Quelle: EADS Defence & Security)
Da auch das Design von unbemannten Aufklärungssystemen naturgemäß kosten- und zeitintensiv ist, erfordern komplexe Vorhaben wie TALARION eine hinreichend zuverlässige Prognose der möglichen technologischen und finanziellen Risiken und letztlich eine Verklammerung mit den Vorhaben von Partnernationen. Mit der Einbindung eines hochfliegenden und über längere Einsatzzeiten nutzbaren MALE UAS bei den drei Partnernationen Deutschland, Frankreich und Spanien gilt es, einige der bei den Europäern im Bereich NG&A schon vor Jahren erkannten Defizite zu beheben. Im operativen Bereich nutzen komplexe Aufklärungsplattformen wie TALARION abbildende Sensoren, die komplementär zur Lagebilderstellung sowie zur Einsatzplanung und -durchführung und im taktischen Bereich zur Ziel- und Wirkungsaufklärung von so genannten TCTs (Time Critical Targets) eingesetzt werden können. Zudem können, wie am Beispiel TALARION dargestellt, neuartige abbildende SAR/GMTI-Radarsysteme zur witterungsunabhängigen Bewegtzieldetektion und -verfolgung eingesetzt werden.
Auch vor dem Hintergrund der im Kommando Strategische Aufklärung zur streitkräftegemeinsamen Nutzung zusammengefassten Kapazitäten der fernmelde-elektronischen und der satellitengestützten abbildenden Aufklärung (SAR-Lupe) sowie der bevorstehenden Beschaffung des aus sechs Luftfahrzeugen bestehenden unbemannten Aufklärungssystems SIGINT-EuroHawk wird die Bundeswehr vorhandene und noch über viele Jahre eingesetzte Aufklärungsmittel den heutigen und künftigen Erfordernissen anpassen müssen. Exemplarisch zu benennen ist der Bereich der taktischen Aufklärung bei der Luftwaffe, die – obwohl hierfür unbemannte Trägersysteme untersucht werden – an die technologischen Standards von Partnernationen angeglichen werden muss. Darüber hinaus wird es nur in einem synergetischen Zusammenwirken sämtlicher Aufklärungsmittel möglich sein, der politischen und militärischen Führung frühzeitig ein unabhängiges nationales Lagebild über die Entstehung und den Verlauf von Krisen bereitzustellen und für die eingesetzten nationalen und multinationalen Truppenpakete eine glaubwürdige Informationsüberlegenheit herzustellen. Die im künftigen Verbund NG&A eingebundenen unbemannten Plattformen erfüllen letztlich eine wichtige Informations-, Warn- und Schutzfunktion für die Bundeswehr.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 24. März 2010 um 11:05 Uhr
 

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