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Seite 1 von 3  Die Kampfreichweite der Rohr- und Raketenartillerie beim Verbund Artillerie des Deutschen Heeres bleibt in der derzeitigen Ausprägung auf etwa 40km begrenzt (Quelle: Krauss-Maffei Wegmann) Das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr wird durch die Integration von Drohnen mit integrierter Bewaffnung in das System Artillerie weiter verbessert. Das hierfür für das Deutsche Heer vorgesehene »Wirksystem zur Abstandsfähigen Bekämpfung von Einzel- und Punktzielen« (WABEP) umfasst einen Verbund aus einer Aufklärungskomponente und einem Wirkmittel zur Bekämpfung von zeitkritischen Einzelzielen.
Bei der Aufklärungskomponente handelt es sich um das bereits beim Deutschen Heer eingeführte Drohnensystem KZO, das, ursprünglich für die taktische Aufklärung der Artillerie zur Ermittlung zielrelevanter Informationen als Grundlage für den Feuerkampf der Artillerietruppe entwickelt, mittels modernster Sensorausstattung (Tages- und Nachsichtkamera) aus großen Höhen weite Flächen nach Truppenkonzentrationen, getarnten gegnerischen Stellungen und auch Einzelziele aufklärt. Ziel dieses neuartigen Wirkverbundes ist es, die Aufklärungs- und Kampfdrohne so miteinander zu verbinden, um eine zukünftige Ergänzung zu den operativen Möglichkeiten des Verbundes Artillerie herzustellen. Bislang umfasst das Wirkungsspektrum der Artillerietruppe des Deutschen Heeres die modernen Waffensysteme PzH2000 und MARS/MLRS (Mittleres Artillerieraketensystem/Multiple Launch Rocket System), die als wichtige Key Enabler für das gesamte Spektrum vernetzter Einsätze im Rahmen von landbasierten Operationen eingesetzt werden können. Viele ältere Waffensysteme, darunter alle bislang eingelagerten Waffensysteme M109A3 und FH70 (beide 155mm) wurden in den vergangenen Jahren außer Dienst gestellt, weil Anpassungsmaßnahmen an einen modernen Rechnerverbund, bedarfsgerechte Munitionen und verbesserten Schutz nicht die hohen Kosten gerechtfertigt hätten. Somit spiegelt die Materialausstattung der Artillerietruppe des Heeres die Tendenz wider von einer auf Masse bedachten Waffengattung der 1970er, 1980er und 1990er Jahre hin zu einem mit deutlich reduzierten Umfängen, bei gleichzeitiger Steigerung des Fähigkeitsprofils, gekennzeichneten Artillerieverbundes. Infolge des Übereinkommens von Dublin vom 30. Mai 2008, das die Nutzung von Streu- und Bombletmunitionen verbietet, muss auch die Bundeswehr zur Bekämpfung von Flächenzielen jedoch nach Alternativen suchen. Die dadurch drohende Fähigkeitslücke kann durch gelenkte Präzisionsmunitionen mit GPS/INS-Navigation für die Raketenartillerie, leichte taktische Flugkörper oder durch unbemannte Wirksystemkomponenten geschlossen werden. Von der Industrie wurden in den vergangenen Jahren mehrere Konzepte im Bereich gelenkter Präzisionsmunitionen, darunter beispielsweise CORECT (Contraves Rheinmetall Enhanced Correction of Trajectories), zur Modernisierung bestehender Waffensysteme wie MLRS (Multiple Launch Rocket System) angedacht. Das CORECT-Konzept sah vor, die M26 MLRS-Raketenartilleriemunition mit GPS-Empfängern und weiteren Elektronikbauteilen auszurüsten, um eine GPS-gestützte Korrektur der berechneten Flugbahn dieser Munitionen zu ermöglichen. In Großbritannien wird dies neben der jetzt eingeführten und bereits im Auslandseinsatz verwendeten GMLRS (Guided Multiple Launch Rocket System)-Munition auch durch die M898 SADARM (Sense And Destroy Armour)-Munition gewährleistet, welche GPS-gelenkt durch das künftige leichte Artilleriesystem LIMAWS (Lightweight Mobile Artillery Weapon System) genutzt werden soll. Die ausgewählte Munition verfügt über einen Infrarot/Millimeterwellenradar-Suchkopf.
Verbesserungen bei der Distanzwirkung
Der entscheidende Vorteil des zielgenauen und selektiven Einsatzes von Wirkmitteln liegt in der Möglichkeit, Ziele auf sowohl kurze Distanz als auch über große Reichweiten bei möglichst geringen eigenen Verlusten und weitestgehender Vermeidung von nicht beabsichtigten Schäden zu bekämpfen. Zwar verfügen moderne Artilleriesysteme hierfür über die Fähigkeit, in einen modernen ebenenübergreifenden und interoperablen Aufklärungs-Führungs-Wirkungs-Verbund eingebunden werden zu können, jedoch erweisen sich Präzision und Ersttrefferwahrscheinlichkeit oftmals noch außerhalb der geforderten Werte. Deshalb werden Überlegungen angestellt, das Einsatzspektrum moderner Rohr- und Raketenartilleriesysteme durch Nutzung von lageangepasst optimierter Munition zu erhöhen und durch die Anbindung an unterschiedliche Aufklärungsmittel, leistungsfähige Datenübertragungswege und verbesserte Führungsprozesse zu erweitern. Jedoch bleibt die Kampfreichweite der Rohr- und Raketenartillerie beim Verbund Artillerie des Deutschen Heeres in der derzeitigen Ausprägung auf etwa 40km begrenzt. Erst mit der Einführung der GPS-gestützten Rakete GMLRS bei der Bundeswehr kann eine höhere Reichweite (bei einer Präzision von CEP = 10m) erzielt werden. Besonders die Bekämpfung von Zielstrukturen mit steigendem Härtungscharakter, also in der Hauptsache zeitkritische Ziele, profitiert von Munitionsentwicklungen, die, wie am Beispiel von GMLRS dargestellt, Ziele mit einer sehr hohen Trefferwahrscheinlichkeit bekämpfen können. Die Bundeswehr plant die Munition GMLRS Unitary (mit einer Reichweite von über 70km) noch in diesem Jahr und GMLRS SMArt ab 2010 in die Truppe einzuführen. Der Einsatz der SMArt-Munition ist jedoch abhängig von Witterungseinflüssen, die maßgeblichen Einfluss auf die Präzision von Artilleriemunition ausüben und durch geeignete Beobachtungsmittel eingeschätzt werden müssen.
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